14.06.2026 – Beim Aasee Triathlon in Bocholt, organisiert vom Bocholter Wassersportverein 1920, stand mein erster Start in der Landesliga für das Triathlon Team Ratingen 08 auf dem Programm.

Während viele Athleten ihre Saison gezielt auf kurze und schnelle Rennen ausrichten, dreht sich bei mir momentan alles um den Nordschwarzwald Triathlon im August. Genauer gesagt um das Aqua Bike mit 3,8 Kilometern Schwimmen und 180 Kilometern Radfahren. Lange Belastungen, ein kontrolliertes Tempo und genügend Zeit, um seinen Rhythmus zu finden.

Und dann kommt die Landesliga daher und serviert das genaue Gegenteil.

500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Keine Zeit, um in den Wettkampf hineinzufinden.

Kaum ist der Startschuss gefallen, ist man eigentlich schon mitten drin – oder kurz davor, wieder im Ziel zu sein. Hier heißt es von der ersten Minute an: Vollgas.

Ein schöner Fun Fact am Rande: Genau hier in Bocholt feierte meine Tochter Paula ein Jahr zuvor ihre Landesliga-Premiere. Offenbar liegt uns dieser See.

Das Besondere an der Liga: Aus einer klassischen Einzelsportart wird plötzlich Teamsport. Vier Athleten bilden eine Mannschaft, jede Platzierung fließt in die Teamwertung ein.

Für das TTR08 standen Maurice Müller, Ralph Schneider, Leon von der Mark und ich an der Startlinie.

Freiwasser, Waschküche und ein rutschender Neoprenanzug

Das Schwimmen im Aasee fühlte sich direkt nach Triathlon an. Freiwasser ist ohnehin meine Lieblingsdisziplin. Mit knapp 19 Grad Wassertemperatur war es allerdings eher die erfrischende Variante davon.

Neopren war erlaubt. Die meisten entschieden sich für den langen Anzug. Ich wählte einen Kompromiss und startete im Shorty. Weniger Auftrieb, dafür hoffentlich schneller ausgezogen.

Der Massenstart begann klassisch: reinlaufen, eintauchen und möglichst heil durch die erste „Waschküche“ kommen.

Mein Plan war eigentlich simpel. An den Füßen von Maurice bleiben, Wasserschatten nutzen und Kräfte sparen.

Der Plan hielt ungefähr so lange wie ein Neujahrsvorsatz im Februar. Maurice war weg, ich hinterher.

Trotzdem lief das Schwimmen gut und ich konnte den Anschluss halten.

Dann kam der Schwimmausstieg. Und damit mein persönlicher Lieblingsmoment jedes Triathlons: Der Wechsel von der horizontalen Lage in die Senkrechte. Ohne Brille. Barfuß. Mit leichtem Orientierungsverlust.

Vor mir lagen rund 300 Meter bis zur Wechselzone, gesäumt von Zuschauern, die ordentlich Stimmung machten. Das motiviert.

Weniger motivierend war allerdings die Tatsache, dass mein auf die Hüfte heruntergezogener Neopren-Shorty beim Laufen beschloss, seine Reise Richtung Knie fortzusetzen. Sagen wir es so: Elegant sah anders aus.

Wechselzone: Nicht schnell, aber konsequent langsam

Während Leon und Maurice bereits aus der Wechselzone herausliefen, kam ich gerade erst hinein. Ich konnte also live beobachten, wie viel Zeit man bei einem Sprinttriathlon verlieren kann.

Über drei Minuten für den ersten Wechsel sind auf einer Langdistanz „akzeptabel“. Bei einem Sprinttriathlon fühlt sich das eher an, als würde man zwischendurch noch einen Kaffee trinken.

Trotzdem blieb ich entspannt.

Mein persönliches Ziel war klar: Ich wollte als erster Athlet unseres Teams zum zweiten Wechsel zurückkommen.

Dass Maurice, Leon und Ralph mich später auf der Laufstrecke einsammeln würden, war einkalkuliert. Die Frage war nur: Wann?

Rückenwind ist geliehen

Die Radstrecke in Bocholt ist schnell. Bundesstraße, perfekter Asphalt, kein Verkehr. Mit Rückenwind zeigte der Tacho schnell deutlich über 40 km/h an. Kette rechts, ab in den Auflieger und laufen lassen.

Allerdings kennt jeder Radfahrer die alte Wahrheit: Rückenwind ist nur geliehene Geschwindigkeit. Spätestens am Wendepunkt wird abgerechnet.

Bis dahin konnte ich einige Athletinnen und Athleten einsammeln. Besonders motivierend wurde es, als vor mir die ersten roten Einteiler auftauchten. Teamkollegen. Der Plan funktionierte also tatsächlich.

Dann ertönte die Trillerpfeife.
Ein Geräusch, das selten etwas Gutes bedeutet.

Der Kampfrichter ermahnte mich wegen Windschattenfahrens. Bei böigem Gegenwind jemanden regelkonform zu überholen ist manchmal leichter gesagt als getan. Das Ergebnis: 25 Sekunden Zeitstrafe. Hilft nichts. Weiterfahren.

Am Ende standen trotzdem starke 35,2 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem Tacho. Mit etwas Reserve für den anschließenden Lauf.

Und dann die nächste Überraschung.
Plötzlich stand René am Streckenrand und fotografierte.
Immer schön, wenn man selbst einmal vor statt hinter der Kamera landet.

Der vermutlich spektakulärste Radabstieg des Tages

Kurz vor der Wechselzone wollte ich beim Radabstieg etwas zu motiviert zeigen, dass ich durchaus noch dynamisch sein kann.

Die Theorie war hervorragend. Die Praxis weniger.

Der Fuß traf den Asphalt, der Asphalt zeigte wenig Interesse an Haftung und ich rutschte direkt vor den Augen des Kampfrichters weg.

Immerhin kann ich bestätigen: Ich war vor der Abstiegslinie abgestiegen.
Der Rest war eher eine unfreiwillige Bodenübung. Zum Glück ohne Folgen.
Also aufstehen und weitermachen.

Immerhin hatte ich mein Ziel erreicht.
Ich war als erster Athlet unseres Teams in der zweiten Wechselzone.

Und dann kam das Laufen

Leider gehört Laufen immer noch zum Triathlon.

Mit meinen Knieproblemen durch den gerissenen Innenmeniskus ist und bleibt das nicht meine Lieblingsdisziplin.

Immerhin gab es in der Woche vor dem Rennen ein dezentes Upgrade: Neue Schuhe. „Dezent“ ist dabei vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Die Schuhe leuchten derart grell, dass sie vermutlich auch als zusätzliche Streckenmarkierung hätten eingesetzt werden können. Schnell machen sie dadurch zwar nicht automatisch, aber zumindest findet man mich auf der Laufstrecke leichter wieder.

Die spannende Frage lautete also weniger, ob meine Teamkollegen mich einholen würden. Sondern wann.

Leon machte den Anfang und zog ungefähr in der Mitte der ersten Runde vorbei.
Maurice folgte gegen Ende der ersten Runde. Ralph schließlich zu Beginn der zweiten.

Mission erfüllt. Genau so hatte ich es mir vorgenommen.
Tempo kontrollieren, die Knie beobachten und sauber durchlaufen.
Und genau das funktionierte überraschend gut.

Mit einer Laufzeit von 31:42 Minuten über die fünf Kilometer war ich mehr als zufrieden.

Fazit

Am Ende stand eine Landesliga-Premiere, die alles hatte, was Triathlon ausmacht: Kalte Füße, Wind, Zuschauer, Zeitstrafe, einen Sturz, Teamgeist und die Erkenntnis, dass eine Sprintdistanz deutlich brutaler sein kann als manche Langdistanzeinheit.

Ich bin gut durchgekommen.
Das Fahrrad hat etwas gelitten.
Das Ego nach dem Sturz vielleicht auch.
Aber Spaß gemacht hat es trotzdem.
Und genau darum geht es schließlich.

Für die Statistikfreunde noch die Wettkampfzeiten:

  • Schwimmen: 9:33 Minuten
  • Wechsel 1: 3:17 Minuten
  • Radfahren: 36:45 Minuten
  • Wechsel 2: 2:35 Minuten
  • Laufen: 31:42 Minuten
  • Zeitstrafe: 25 Sekunden

Macht am Ende eine Gesamtzeit von 1:24:22 Stunden.

*Fotos von René Göke

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