28.12.2025 – 100×100 – oder: Warum man zwischen Weihnachten und Neujahr plötzlich sehr ehrliche Gespräche führt

„Papa, sind das 10×100?“
Die Frage stellte der Sohn von Felix Schulze, als klar wurde, was am Sonntag auf dem Plan stand.
„Nein, 100×100.“
Kurze Pause. Stirnrunzeln.
„Bist du bescheuert?“

Damit war eigentlich alles gesagt – und gleichzeitig perfekt eröffnet, was am 28.12.2025 beim 8. ex X-mas Swim 100×100 in Bochum passieren sollte. Willkommen in einer Welt, in der Weihnachten endet, der Weihnachtsspeck keine Lobby hat und 10 Kilometer Schwimmen plötzlich als Gemeinschaftserlebnis verkauft werden. Spoiler: Es stimmt. Irgendwie.

Eingeladen hatte die Triathlonabteilung des SV Blau‑Weiß Bochum. Kein Wettkampf, kein Ergebnisdienst, kein Podium. Dafür Waffeln, Salzstangen, Grill, Getränke – und ein Becken voller Menschen, die freiwillig immer wieder ins Wasser steigen. Vier Blöcke à 25×100 m, dazwischen fünf Minuten Pause. Genug Zeit, um kurz zu zweifeln und dann doch wieder loszuschwimmen.

Eine Mail, ein Verein – und dieses typische „Wir“

Dass das Triathlon Team Ratingen 08 überhaupt mit einer ordentlichen Gruppe am Start stand, begann unspektakulär. Kai Richter war im letzten Jahr schon dabei und hatte im Dezember eine kurze Vereinsmail geschrieben. Sinngemäß: Wer hat Lust? Schwimmen geht ja immer.

Diese Mail traf offenbar einen Nerv. Marc Trebeck fühlte sich direkt angesprochen – nicht nur selbst, sondern gleich doppelt. Zusammen mit seinem Sohn Eric meldete er sich für eine 2er-Staffel an. Später brachte er es passend auf den Punkt:

„Gut, dass die Mail uns im Dezember noch erreicht hat. So konnte ich zusammen mit meinem Sohn noch ein tolles Sport-Event in 2025 erleben.“

Genau das beschreibt den TTR-Geist ziemlich gut. Man macht Dinge zusammen. Nicht jeder für sich, nicht als Einzelkämpfer. Sondern als Team, als Familie, als Verein.

Abgangszeiten statt Hektik

Die Bahnen waren sauber nach Tempo sortiert: 2:45, 2:30, 2:15, 2:00 und 1:45 Abgangszeit. Gestartet wurde zeitversetzt – die langsamere Bahn bereits um 15:10 Uhr, die schnellsten erst um 16:50 Uhr. Der Clou: Alles war so getaktet, dass alle Teilnehmenden am Ende gemeinsam auf die letzten 100 Meter starten konnten.

Wichtig: Niemand sprang hier ständig rein und raus. Man blieb auf der Bahn, schwamm seine 100 Meter, wartete auf den nächsten Abgang und schwamm wieder los. Rhythmus ja – aber kein entspannter Dauerfluss. Eher ein kontrollierter Start-Stopp-Modus, der mental erstaunlich fordernd ist. Besonders dann, wenn auf der Bahn immer wieder Staffelschwimmer mit frischen Armen unterwegs sind.

TTR 08 im Becken

Für das Triathlon Team Ratingen 08 gingen an den Start:

  • Thorsten Spicker – Abgangszeit 2:00
  • Martin Tins – Abgangszeit 2:15
  • Michaela Melsa – Abgangszeit 2:30
  • Felix Schulze – Abgangszeit 2:30
  • Kai Richter – Abgangszeit 2:30
  • Marc Trebeck & Sohn Eric – 2er-Staffel, Abgangszeit 2:30

Stimmen aus dem Wasser – direkt aus dem Erleben

Felix Schulze wusste schon während des Schwimmens, dass das Nachwirkungen haben würde. Er grinste nur und meinte später trocken, dass man den Muskelkater definitiv noch im neuen Jahr spüren werde. Nach 50 Bahnen habe bereits alles wehgetan, und irgendwo um Bahn 80 sei der Gedanke aufgekommen, dass die Arme eventuell einfach abfallen.

Thorsten Spicker nahm es sportlich – und ehrlich. Die Veranstaltung sei sehr schön gewesen, aber auch extrem anstrengend. Ihm wurde erst im Verlauf klar, dass viele auf der Bahn reine Schwimmer waren und keine Triathleten. „Die können halt richtig schwimmen“, sagte er – und merkte an, dass man durch die vielen Staffelschwimmer hintenraus kaum langsamer wurde, weil ständig frische Kräfte nachgelegt haben.

Für Kai Richter war es dieses Mal kein Selbstläufer. Nach der Off-Season noch nicht wieder voll im Training, liefen die ersten sechs Kilometer zwar ordentlich, dann kam jedoch sprichwörtlich der Mann mit dem Hammer. Kurz war der Stecker gezogen, es wurde zäh – aber mit Blick auf das gemeinsame Finish wurde durchgezogen.

Michaela Melsa musste früher als geplant aussteigen. Die Schulter meldete sich deutlich, nach fünf Kilometern war Schluss. Kurz frustriert, dann pragmatisch: Eine kaputte Schulter brauche niemand. Die Veranstaltung fand sie trotzdem richtig gut – mit dem klaren Vorsatz, sich fürs nächste Mal besser vorzubereiten und häufiger längere Distanzen zu schwimmen.

Marc Trebeck zeigte sich vor allem vom Gesamtbild beeindruckt. Top organisiert, volles Becken – so viel Betrieb habe er schon lange nicht mehr erlebt. Sein Sohn Eric sah es ähnlich, wenn auch aus einer anderen Perspektive: Die 10 Kilometer als 2er-Staffel mit dem Vater zu schwimmen, gemeinsam zu trainieren und Zeit zusammen zu verbringen, sei anstrengend gewesen – aber genau deshalb auch richtig gut.

Und Martin Tins? Der kämpfte zwischendurch mit Krämpfen. In den Pausen wurde gedehnt, mobilisiert und – ja – auch mal warm geduscht. Ein paar Bahnen gingen dabei verloren, der Gesamteindruck aber blieb klar: tolles Event, absolut lohnend.

Fazit: Nie locker, aber genau richtig

Dieses Format ist nichts für Bequemlichkeit. Kein Dahingleiten, kein Autopilot. Es fordert Kopf und Körper – und genau das macht den Reiz aus. Dazu ein Gastgeberverein, der verstanden hat, dass Sport mehr ist als Strecke und Zeit: Grill, Getränke, Gespräche im und vor dem Vereinsheim inklusive.

Am Ende starten alle gemeinsam auf die letzten 100 Meter. Müde. Zufrieden. Mit diesem leisen Grinsen, das sagt: War hart – war gut.

Und ziemlich sicher mit einem Gedanken im Kopf:
Nächstes Jahr? Ja. Aber vielleicht erst nach einer sehr langen Dusche.

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